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"Frieden bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krieg, er wird ebenso durch soziale, psychologische, wirtschaftliche, ökologische, religiöse und ethnische Bedingungen definiert, ein Zustand ungestörter Harmonie mit dem Gefühl von Sicherheit und Ordnung, gefördert oder gefährdet durch technologische Entwicklungen." (Reuter/Markus)

In eigener Sache:

Liebe Verbandsmitglieder, Freunde und Sympathisanten,

die Redaktion hat in den vergangenen Wochen intensiv darüber diskutiert, wie wir mit unserem Internetangebot Eurem Informationsbedürfnis zur Frage Krieg-Frieden besser entsprechen können. Im Ergebnis dieser Debatten werden wir zukünftig regelmäßig zu aktuellen militärpolitischen Entwicklungen und Vorstellungen über Charakter, Art und Umfang moderner Kriegführung informieren und militärstrategische Lageeinschätzungen veröffentlichen.

Wir beginnen mit der Publizierung einer Artikelserie zum Thema "Der Krieg als Mittel der Politik" und wollen zu militärpolitischen Überlegungen und Trends sowie neuen Waffentechnologien informieren und operativ-taktische Konzepte verschiedener geopolitischer Akteure vorstellen.

Folgt man der o.g. Definition, dann müssen wir erkennen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, sich die Kräfteverhältnisse rasant verschieben und Kriege wieder mehr denn je ein Mittel zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen geworden sind. Der kritische Blick auf diese Entwicklungen ist unser Anliegen. Wir laden zur Diskussion dieser Beiträge ein und bitten Euch Kommentare/Beiträge an die Redaktion unseres Verbandes zu senden.
Folgt man der o.g. Definition, dann müssen wir erkennen, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, sich die Kräfteverhältnisse rasant verschieben und Kriege wieder mehr denn je ein Mittel zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen geworden sind. Der kritische Blick auf diese Entwicklungen ist unser Anliegen. Wir laden zur Diskussion dieser Beiträge ein und bitten Euch Kommentare/Beiträge an die Redaktion unseres Verbandes zu senden.

Geistige Aufrüstung

Es gehört mittlerweile zum Ritual westlicher Außen- und Sicherheitspolitiker, die Notwendigkeit des Dialogs mit Russland trotz aller aktuellen Spannungen zu betonen. Nur müsse Russland dafür die Voraussetzungen schaffen, indem es seine „expansive“ Politik beendet. Und in der Regel folgt dann das Sündenregister: Die „Annexion“ der Krim, die Unterstützung für die ostukrainischen Volksrepubliken, die angeblichen Vorbereitungen eines hybriden Krieges gegen die baltischen Staaten und Polen. Und auch das russische militärische Engagement in Syrien sorgt bei westlichen Politikern regelmäßig für demonstrative Empörung. Es ist das gebetsmühlenartig über alle Medien verbreitete Argumentationsmuster: Russland ist aggressiv, Präsident Putin will „den Westen“ destabilisieren, nur die NATO ist in der Lage, durch Abschreckung dem russischen Expansionsdrang Einhalt zu gebieten. Dieser kommunikationspolitische Ansatz erweist sich als durchaus praktikabel, was aber nichts daran ändert, dass er auf dem Verschweigen von Fakten beruht. Dass sich die NATO – entgegen früheren Zusagen – nach Osteuropa bis an Russlands Grenzen ausgedehnt hat, wird ebenso verschwiegen wie die Tatsache, dass vor allem US-Politiker bereits im Jahr 2008 den damaligen georgischen Präsidenten ermunterten, einen Krieg gegen Russland vom Zaun zu brechen. Auch dass der Staatsstreich in der Ukraine mit fünf Milliarden US-Dollar vorbereitet wurde, um das Land zum potentiellen Aufmarschgebiet gegen Russland machen zu können, kommt in der derzeitigen Medienberichterstattung nicht vor. Die historischen Hintergründe für die Sezession der Krim spielen für die Befürworter einer harten politischen Gangart gegen Russland ebenfalls keine Rolle.

Die aufgeregte Rhetorik hat einen guten Grund: Ohne von der Bevölkerung akzeptiertes Feindbild und ohne ein latentes Bedrohungsgefühl ist die Aufrüstung der NATO und insbesondere der Bundeswehr nicht zu begründen. Und so sprechen auch Entscheidungsträger der Bundeswehr mittlerweile ganz offen über einen möglichen Krieg in Osteuropa, auf den sich die Truppe vorbereiten müsse. Generalleutnant Bernd Schütt etwa, Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Bundesministerium der Verteidigung, erklärt: „Landesverteidigung ist unverändert immer im Rahmen des NATO-Bündnisses zu denken. Neu für uns ist, dass wir in einem solchen Fall kein direkter ‚Frontstaat‘ mehr sein werden. Vielmehr wird die Bundesrepublik Deutschland einerseits eigene Truppen zur Verteidigung an die Bündnisgrenzen zu entsenden haben und andererseits im Herzen Europas als logistische Drehscheibe des Bündnisses agieren müssen.“/1/

Und die NATO bereitet sich unter aktiver Beteiligung der Bundeswehr auf den Kriegsfall in Osteuropa vor. Von Februar bis Mai 2020 findet die Truppenübung „Defender Europe 20“ statt. 20.00 US-Soldaten, eine komplette US-Kampfdivision, werden aus den USA nach Europa verlegt. 14 Flughäfen und Seehäfen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland sind für die Entladung von Personal und Material vorgesehen. Von dort geht es dann in langen Konvois Richtung Polen und Baltikum. Insgesamt 37.000 Mann mit Kampftechnik werden unterwegs sein, davon 26.000 US-Soldaten. 4.000 Km Schienen und Straßen in das Aufmarschgebiet werden genutzt. Die Bundeswehr (Streitkräftebasis) übernimmt die logistische Sicherstellung. /2/ Es ist ein Szenario, das an die Zeit des Kalten Krieges erinnert.

Auch hinsichtlich der sonstigen materiellen Kriegsvorbereitung geht es erkennbar voran. Wichtige Weichenstellungen für die Beschaffung von Kampfpanzern, Schützenpanzern und sonstigen Waffensystemen wurden im Jahr 2019 vorgenommen. So will die Bundeswehr in zehn Jahren 328 Kampfpanzer Leopard 2 in einem Krieg einsetzen können. Der Gegner ist Russland. Die Zeitschrift Loyal liefert in ihrer Dezemberausgabe das gängige Rechtfertigungsmuster: „Seit Russlands Präsident Putin im März 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektierte, plant die NATO wieder für den Bündnisfall. Auch Deutschland sieht sich in der Pflicht und will bis 2032 drei voll ausgestattete Heeresdivisionen aufstellen, die den baltischen Bündnispartnern gegen die Russen beistehen könnten. Das wären zehntausende deutsche Soldaten, die einem Gegner gegenüberstünden, der etwa gleich ausgerüstet ist: mit Panzern, Raketen, Artillerie, Minensperren.“ /3/

Und in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums der Verteidigung findet sich die Kernaussage: „Die Bundeswehr wächst weiter“. So werden acht Material- und Munitionslager erhalten, die nach früheren Planungen aufgegeben werden sollten. Zwölf Liegenschaften/Kasernen, von denen sich die Bundeswehr trennen wollte, werden vorerst im Bestand bleiben. Vorgesehen ist außerdem die Aufstellung eines „Kommandos Hubschrauber“ in Bückeburg, die Stationierung von fünf neuen Korvetten in Rostock und des Unterstützungsgeschwaders in Kiel für Einsätze im Operationsraum Ostsee. In Burg wird der Stab des neu aufgestellten Logistikregi-ments 1 seine Arbeit aufnehmen. Zugeordnet werden die Logistikbataillone 161 und 163 (Delmenhorst) sowie die Logistikbataillone 171 (Burg) und 172 (Beelitz). Das Regiment ist für die Absicherung der NATO-Transporte vorgesehen und soll seine volle Einsatzfähigkeit im Jahr 2023 erreichen. In der Strausberger Barnim-Kaserne erfolgt die Aufstellung des teilaktiven ABC-Abwehrregiments 1, das die „Erhöhung der ABC-Abwehrfähigkeit“ in Ostdeutschland gewährleisten soll. Erste Teile des Aufstellungsstabes werden 2020 in Strausberg stationiert, die volle Einsatzfähigkeit ist für 2027 vorgesehen. /4/

Die Luftwaffe hat derweil den Eurofighter als mehrrollenfähiges Waffensystem modifiziert. Die Maschine kann nun sowohl als Abfangjäger als auch als Jagdbomber zum Einsatz kommen. Möglich wurde das durch Integration der gelenkten Abwurf-munition GBU-48 (Guided Bomb Unit 48). Es ist eine Präzisionsbombe für die Bekämpfung von Bodenzielen – und damit auch für die Unterstützung von Bodentruppen. /5/

Wie weit die Überlegungen über einen möglichen Krieg gegen Russland bereits gediehen sind und wie intensiv versucht wird, die Bundeswehrsoldaten mental auf einen solchen Waffengang vorzubereiten, zeigt ein Bericht der Zeitschrift Loyal.

Das Magazin beruft sich auf Generalarzt Dr. Bruno Most, Stellvertretender Kommandeur im Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels. Dieser rechnet in einem zukünftigen Krieg gegen russische Streitkräfte mit einer Ausfallquote von vier Prozent Toten und Verwundeten pro Brigade und Tag. Das sind keine unverbindlichen Gedankenspiele, sondern Teil einer möglichen Einsatz-planung. „Die drei Divisionen des Heeres sollen in zwölf Jahren aus acht bis neun Kampfbrigaden bestehen. Einer Brigade wiederum gehören im Schnitt 5.000 Soldaten an. Wenn nur die Hälfte der Brigaden an der Front im Osten eingesetzt würde, wären das 22.500 Soldaten: Panzertruppen, Grenadiere, Fallschirmjäger, Aufklärer, Pioniere, Artilleristen. Vier Prozent von 22.500 Soldaten ergibt 900. ...In einem Krieg wäre mit 900 gefallenen und verwundeten Soldaten zu rechnen. An einem Tag.“ /6/

Die Rechnung hat nur einen entscheidenden Denkfehler: Sie unterstellt, dass ein solcher Krieg hinsichtlich des eingesetzten Waffenspektrums und seiner territorialen Ausdehnung begrenzbar wäre, dass also die russischen Streitkräfte in einem solchen Konflikt der Regie der NATO folgen würden. Für diese Annahme gibt es allerdings keinen belastbaren Beleg. Diese Vorstellung von NATO-Strategen war übrigens bereits in den 80er Jahren völlig realitätsfern (Strategie der flexiblen Reaktion). Dass man sich nun in NATO-Stäben wieder auf die damaligen strategischen und operativ-taktischen Konzepte besinnt, macht sie nicht realitätsbezogener. Ein Krieg an Russlands Grenzen würde sich kaum auf konventionelle Waffen beschränken lassen und wenn er ausgebrochen wäre, würde auch das Territorium der Bundesrepublik zum Zielgebiet gegnerischer Raketenschläge und zum Schlachtfeld werden – allein wegen dessen Bedeutung für die NATO-Logistik. Zu empfehlen ist ein Blick in die aktuell gültige russische Militärdoktrin. Diese Lektüre wäre sicher auch für manchen Journalisten hilfreich, der mit leichter Feder über einen neuen Krieg im Osten fabuliert. Die Unterschätzung des potentiellen Gegners ist genauso gefährlich wie Wunschdenken hinsichtlich der eigenen militärischen Fähigkeiten. Und es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass NVA-Planer in der Zeit des Kalten Krieges für die ersten zwei bis drei Kriegstage mit Ausfallquoten von etwa 30 Prozent bei den Kampfdivisionen der ersten strategischen Staffel rechneten. Diese Annahmen dürften auch für einen Krieg der NATO gegen Russland gelten, denn es wäre von russischer Seite ein Krieg, der existenzgefährdend für den russischen Staat ist. Daran würden sich die Intensität der Kampfhandlungen und das zum Einsatz kommende Waffen-spektrum orientieren. Wer also glaubt, dass die Bundesrepublik Deutschland im Kriegsfall „kein Frontstaat“ wäre und sich der Krieg mit allen seinen Folgen weit im Osten abspielen würde, unterliegt entweder einem großen strategischen Irrtum oder redet sich und anderen bewusst die damit verbundenen Gefahren klein. Schon der chinesische Stratege und Militärtheoretiker Ssund-ds’ mahnte: „...kennst du den Gegner und kennst du dich, so magst du hundert Schlachten schlagen, ohne eine Gefahr zu fürchten; kennst du ihn, aber nicht dich selbst, so wirst du einmal siegen und ein anderes Mal eine Niederlage erleiden; kennst du weder dich noch ihn, so wirst du in jeder Schlacht geschlagen werden.“ /7/

 

/1/ Quelle: Die Bundeswehr 12/19, S. 8
/2/ Die Bundeswehr 12/19, S. 61
/3/ Loyal 12/19, S. 12
/4/ Pressemitteilung des BMVg, Dezember 2019
/5/ Schnell, G.: Die Luft/Boden-Bewaffnung des Eurofighter. In: CPM Forum für Rüstung, Streitkräfte und Sicherheit 3/2018, S. 22ff
/6/ Loyal 12/19, S. 12
/7/ Ssund-ds´: Traktat über die Kriegskunst. Berlin 1957, S. 64

von Redaktion

Krieg gegen Russland

Krieg gegen Russland

Bei Krieg gegen Russland: Bundeswehr beziffert Opferquote auf vier Prozent pro Brigade und Tag

Wie viele Opfer gäbe es, wenn es zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Russland käme? Ein Bundeswehr-Generalarzt sorgte mit einem Vortrag zu diesem Thema für "Unruhe" und "Raunen". Ein Kommentar von Jürgen Cain Külbel zu einem Tabuthema in den Medien.

"Im Saal kommt Unruhe auf. Die Zuhörer raunen sich zu", schreibt Julia Egleder in ihrer Titelstory "Zeitenwende im Sanitätsdienst", abgedruckt in loyal – Das Magazin für Sicherheitspolitik, Heft 12 aus dem Jahr 2019. Anlass für das Unbehagen im Saal war der Vortrag, den Generalarzt Dr. Bruno Most, Stellvertretender Kommandeur im Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels, jüngst beim Kommando Luftwaffe in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow hielt. "Er ist an diesem Tag in Berlin, um Vertretern von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz die neuen Herausforderungen für den Sanitätsdienst zu erläutern. Most wirft eine PowerPoint-Folie an die Wand. Darauf stehen viele Zahlen, doch eine, größer als die anderen und rot eingefärbt, ragt heraus. Es ist die Zahl vier. 'Wir rechnen mit vier Prozent Ausfallrate pro Brigade jeden Tag', sagt Most nüchtern. Und ergänzt: 'Mit Ausfällen meine ich Tote und Verletzte'."

Wenn nur die Hälfte der Brigaden an der Front im Osten eingesetzt würde, wären das 22.500 Soldaten: Panzertruppen, Grenadiere, Fallschirmjäger, Aufklärer, Pioniere, Artilleristen. Vier Prozent von 22.500 Soldaten ergibt 900. Das ist es, was Generalarzt Most ausdrücken will: In einem Krieg wäre mit 900 gefallenen und verwundeten Soldaten zu rechnen. An einem Tag. Most selbst sagt es so nicht. Aber seine Zuhörer sind auch allein in der Lage, die Rechnung, die der Offizier aufmacht, zu verstehen. Hier hat ihnen gerade jemand erklärt, was sich bisher niemand öffentlich zu sagen traute: Wenn die NATO im Osten angegriffen würde, dann müsste die Bundeswehr mit tausenden Verletzten und Toten rechnen.

Ungeachtet dessen, dass der Autor dieser Zeilen der festen Überzeugung ist, dass nicht Russland die NATO zuerst angreifen würde, sondern umgekehrt, weil das dem aggressiven Wesen des Bündnisses entspricht, seien zwei weitere Spekulationen erlaubt: Ohne täglichen Nachschub von menschlichem Kanonenfutter wäre die "Hälfte der Brigaden" unter rechnerischem Bezug auf die tägliche Verlustrate von vier Prozent innerhalb von 31 Kampftagen auf einen Bestand von 6.300 Soldaten geschliffen – 16.200 Soldaten wären also innerhalb eines Monats für transatlantisches Volk und Vaterland den Heldentod gestorben oder kriegsversehrt. Bei täglichem Nachschub von menschlichem Kanonenfutter allerdings, der Kampfkraft und Soldatenzahl der Brigaden auf Sollstärke hält, würde sich die Zahl der getöteten und kriegsversehrten deutschen Soldaten an der zukünftigen Ostfront innerhalb eines Monats auf 27.900 Personen belaufen.

Die Bundeswehr ist auf solch eine menschliche Materialschlacht überhaupt nicht vorbereitet. "Helikopter könnten nicht zu den Verwundeten fliegen, weil sie für die gegnerische Luftabwehr ein leichtes Ziel wären", schreibt Julia Egleder. "Die Rettungszentren wiederum müssten weit von der Front entfernt sein, um nicht von der gegnerischen Artillerie getroffen werden zu können. Deshalb muss sich der Sanitätsdienst für die Landes- und Bündnisverteidigung neu aufstellen. Er braucht bewegliche Arzt- und Rettungstrupps, die mit den Kampfbrigaden entlang der Front unterwegs sind und dort viele verwundete Soldaten vor Ort versorgen können. Er braucht gepanzerte Rettungsfahrzeuge, Feldlazarette und weitaus größere Kapazitäten in den Bundeswehrkrankenhäusern als bisher."

Falls deutsche Soldaten wieder einmal an der Ostfront im Stakkato fallen würden, wäre das natürlich auch eine logistische Herausforderung. Das Überbringen der Todesnachrichten durch Bundeswehr-Offiziere wäre personell zu aufwendig, ebenso die im Dritten Reich üblichen Briefmitteilungen wie: "Ich habe die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass Ihr Sohn …" oder "in soldatischer Pflichterfüllung für Führer und Volk den Heldentod gestorben ..." oder "mich der traurigen Aufgabe zu entledigen, Sie vom Heldentode Ihres Mannes in Kenntnis zu setzen ..." Das hohe Aufkommen von "Todesfällen" könnten die Militärseelsorger wohl nur durch Einsatz moderner Kommunikationstechnik wettmachen: durch Standard-Trauermitteilungen per SMS an die Hinterbliebenen. 

Im Jahr 2009 wurde in Beantwortung der Anfrage eines Bundestagsabgeordneten bekannt, dass Ostdeutsche in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr 49,1 Prozent der Soldaten stellen. Wobei ihr Anteil sank, je höher der Dienstgrad wurde. Aktuelle Zahlen existieren nicht; die Bundeswehr gibt aus guten Gründen längst keine Daten mehr heraus. Allerdings waren unter den 35 Bundeswehrsoldaten, die zwischen 2001 und 2009 in Afghanistan getötet wurden, wiederum 13 Ostdeutsche. Das sind 37 Prozent! Obwohl der Anteil der Ostdeutschen an der deutschen Gesamtbevölkerung lediglich 17 Prozent beträgt. Unter Bezug auf Dr. Mosts tägliche Verlustrate von vier Prozent und der Tötungsrate in Afghanistan würden also innerhalb von 31 Kampftagen an der zukünftigen Ostfront unter den 16.200 bis 27.900 getöteten oder kriegsversehrten deutschen Helden-Soldaten sich zwischen 6.000 bis 10.000 Ostdeutsche befinden!

Weder die Aufrüstung des Militärpaktes noch dessen zunehmende Präsenz an Russlands Grenzen oder die intensivierte Manöver-Aktivität in Osteuropa haben bislang daran etwas ändern können. Das mag zum einen daran liegen, dass die Medien darüber nur in Ausnahmefällen ausführlich berichten. Dieses politisch gewollte Informationsdefizit ist durch alternative Medienangebote nicht völlig auszugleichen. Zugleich wird deutlich, dass offenbar in der Bevölkerung keine realistischen Vorstellungen über die Folgen eines bewaffneten Konflikts in Europa bestehen. Die Risiken einer militärischen Auseinandersetzung für Deutschland werden in den Medien nicht thematisiert und von der Mehrheit der Bürger nicht wahrgenommen oder verdrängt. Auch die mittlerweile vollzogenen Weichenstellungen für die Modernisierung und Aufstockung der Bundeswehr sowie für den Ausbau des Reservisten-Potentials sind in der Bevölkerung kaum bekannt.

Die ständigen Meldungen über Ausrüstungsdefizite bei der Truppe und nicht einsatzfähige Waffentechnik bereiten den Boden für die Akzeptanz der Anhebung der Verteidigungsausgaben. Immerhin die Hälfte aller Befragten befürwortet die Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Vor allem die Anhänger von CDU/CSU, FDP und AfD unterstützen diesen Kurs mehrheitlich. Die einstige Antikriegspartei Bündnis90/Grüne ist in dieser Frage gespalten, was vor dem Hintergrund ihrer politischen und sozialstrukturellen Wandlung in den vergangenen 30 Jahren nicht verwundern kann. Die Grünen sind auch sicherheitspolitisch eine bürgerliche Partei, die transatlantische Abhängigkeiten pflegt. Lediglich in der Anhängerschaft der SPD und der Linken wird die aktuelle Regierungspolitik in dieser Frage klar abgelehnt.

Vier Prozent Ausfallrate pro Brigade pro Kriegstag an der zukünftigen Ostfront. Eine eiskalte Kalkulation! Dabei spielte die Zivilbevölkerung in den Planungen des Herrn Dr. Most überhaupt keine Rolle, wurde mit keiner Silbe erwähnt. Die Toten mahnen uns! Hitlers Krieg gegen die Welt kostete bis zu 50 Millionen Menschen das Leben, darunter mehr als fünf Millionen deutsche Soldaten. Hochgerechnet starben damals in jeder Stunde 1.000 Menschen, stündlich 100 deutsche Soldaten; insgesamt kamen etwa 1,75 Millionen deutsche Zivilisten ums Leben.

In Ostdeutschland sollte Unruhe aufkommen: Die Sowjetunion war sein Befreier vom Nationalsozialismus, Napoleon erhielt 1812 in Russland eine Klatsche, die Türken im Krimkrieg zwischen 1853 bis 1856, Hitlers Ende wurde in Stalingrad eingeleitet. Nun wollen es die Transatlantiker versuchen? Die Ostdeutschen sollten sich zuraunen: "Nie wieder Krieg!", in alle Winde posaunen, wie fruchtbar der transatlantische Schoß ist, aus dem in der Moderne wie am Fließband Kriege kriechen. Kein Ostdeutscher sollte sein Kind dieser transatlantischen Medusa opfern, sich zur Fünften Kolonne machen lassen, um für das Grobzeug im Kampf gegen seinen ehemaligen Befreier und Freund zu sterben! Ziviler Ungehorsam ist angesagt: wir müssen unsere Kinder überzeugen, der Bundeswehr den Rücken zu kehren, ihr nicht auf den Leim zu gehen. Im Sinne von Johannes R. Becher: "dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint", nicht ihre Tochter, ihren Mann.

Quelle: Reuters

von Redaktion

NATO bereitet zielbewusst großen Militärkonflikt vor

NATO bereitet zielbewußt großen Militärkonflikt vor

Der Generalstab der russischen Streitkräfte stellt fest, dass die Spannungen zwischen Russland und der NATO weiter zunehmen. Demnach zeugen die Aktivitäten der Allianz an der Westgrenze des Landes davon, dass sich das Bündnis auf einen großen Konflikt vorbereitet.

Am Dienstag hat der Generalstab der russischen Streitkräfte in Moskau ein Briefing für ausländische Militärattachés durchgeführt. Der Behördenchef General Waleri Gerassimow betonte dabei, dass man in den westlichen Ländern regelmäßig auf die Formulierung "russische Militärbedrohung" zurückgreife, wenn es um eine planmäßige und transparente Modernisierung der russischen Armee gehe.

Dabei gelte Moskau in der Militärdoktrin der NATO nach wie vor als Gegner. Ihm zufolge steigere das militärpolitische Bündnis mit seinen Handlungen nur die Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Waleri Gerassimow beschreibt die Situation wie folgt:

In den baltischen Staaten und in Polen, im Schwarzen Meer und in der Ostsee nehmen die Militäraktivitäten und die Intensität der Militärübungen des Bündnisses zu. Ihre Szenarien weisen darauf hin, dass sich die NATO zielbewusst darauf vorbereitet, ihre Truppen an einem großen Militärkonflikt einzusetzen.

Der Leiter des russischen Generalstabs machte die ausländischen Militärattachés auf den Beschluss des NATO-Gipfels Anfang Dezember aufmerksam, einen Teil der Truppen an die Ostflanke des Bündnisses zu verlegen – näher an die Grenze zu Russland.

Demnach hatten die NATO-Länder seit dem Jahr 2016 ihre Verteidigungsausgaben insgesamt um 130 Milliarden US-Dollar aufgestockt. Bis zum Jahr 2024 sollten es um 400 Milliarden US-Dollar mehr sein. Im Jahr 2018 hatte die Allianz die Formel "vier mal dreißig" entwickelt, wonach das Militärbündnis innerhalb von 30 Tagen 30 Heeresbataillone, 30 Kampfschiffe und 30 Flugzeuge verlegen können soll. Gerassimow wörtlich:

Die Handlungen der Allianz steigern die Spannungen und senken das Niveau der Sicherheit auf der Kontaktlinie Russland-NATO. Das Risiko gefährlicher Vorfälle im Militärbereich zu verringern, soll die wichtigste Richtung im Dialog zwischen Russland einerseits und den USA und der NATO andererseits bleiben.

Auf die Frage des norwegischen Militärattachés, ob ein großer Krieg bis zum Jahr 2050 möglich sei, antwortete der russische General, dass es zwar bislang keine Voraussetzungen für einen solchen Militärkonflikt gebe. Trotzdem könnten neue Krisen außer Kontrolle geraten und zu einem großen Krieg auswachsen. Daher solle Russland auf jede Entwicklung gefasst sein und jede beliebige Aggression abwehren können. Die instabile Situation in der Welt sei weitgehend dadurch bedingt, dass einzelne Länder bestrebt seien, anderen souveränen Staaten ihre eigenen Grundsätze aufzuzwingen – darunter auch mit Gewalt.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, kommentierte am Mittwoch diese Einschätzung, indem er sie als fachkundig bezeichnete. Sie fuße auf der Analyse, die das russische Militär beim Beobachten der NATO-Manöver mache. Der Kremlsprecher betonte:

Dass die andauernde Expansion der NATO-Militärinfrastruktur in Richtung unserer Grenze Besorgnis erregt, ist kein Geheimnis und ist gut bekannt.

Wladimir Bruter, Experte des Internationalen Instituts für humanitär-politische Studien, erklärte gegenüber RT, dass den Handlungen der NATO und den USA der Wunsch zugrunde liege, Russland als "direkte Gefahr" einzudämmen. Zu diesem Zweck versuche die Allianz, das Land mit allerlei Militärinfrastruktur zu umzingeln.

Konstantin Blochin, Experte des Forschungszentrums für Probleme der Sicherheit bei der Russischen Akademie der Wissenschaften, zeigte sich im Gespräch mit RT sicher, dass die Aufrechterhaltung der "russischen Bedrohung" es den USA erlaube, andere Länder mit verschiedenen und manchmal im Widerspruch stehenden Mentalitäten, Kulturen und Interessen im Bündnis festzuhalten.

Dabei muss man darauf hinweisen, dass Russland trotz der feindseligen Rhetorik einiger westlicher Länder seine Militärausgaben allmählich kürzt. Laut Statistiken des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) ist Russland in der Jahresbilanz 2018 erstmals seit dem Jahr 2006 im weltweiten Ranking bei den Verteidigungsausgaben nicht unter den ersten fünf Ländern gelandet. Nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin werde das Land auch in Zukunft seinen Militäretat kürzen: Im Jahr 2017 hätten sich die Militärausgaben auf 3,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes belaufen, im Jahr 2018 seien es etwas mehr als drei Prozent gewesen, im Jahr 2019 seien es 2,9 Prozent.

 

Quelle: Russischer Generalstab, Reuters

 

von Redaktion

Soziologische und psychologische Aspekte der Kriegvorbereitung

Soziologische und psychologische Aspekte der Kriegsvorbereitung

Krieg ist der ultimative Endpunkt eines eskalierten politischen Konflikts und zugleich Instrument seiner gewaltsamen Lösung. Angriffskriege sind laut UN-Charta völker-rechtlich nicht zulässig. Doch sie werden nach wie vor zur Durchsetzung machtpoli-tischer und wirtschaftlicher Interessen vorbereitet und geführt. Um eine moderne Gesellschaft mental auf einen Angriffskrieg vorzubereiten, müssen in einem länger-fristig angelegten politischen und psychologischen Prozess die Bürger von der Legitimität einer solchen Gewaltanwendung überzeugt werden. Dabei sind verschiedene Handlungsfelder zu unterscheiden:

  1. Handlungsfeld: Konditionierung der Eliten

Der Selektions- und Ausbildungsprozess zur Ergänzung politisch relevanter Funktionseliten muss ein weitgehend einheitliches „Gut-Böse-Narrativ“ zur Grundlage haben. Entscheidungsträger in Politik, Militär, Verwaltung, Rechtspflege, vorpoli-tischen Organisationen und Medien sollen von der Legitimität und Einzigartigkeit des eigenen Gesellschaftsmodells überzeugt sein. Andere gesellschaftliche und politische Ordnungen gelten in der Konsequenz dieses Wahrnehmungsmusters nur in dem Maße als zivilisatorisch akzeptabel, in dem sie dem eigenen, als einzig legitim angesehenen Gesellschaftsmodell entsprechen. Vor diesem Hintergrund können im Sozialisationsprozess politische Positionen und Bewertungsmaßstäbe verinnerlicht werden, die für das Individuum und soziale Gruppen identitätsbestimmend sind. Solche verinnerlichten Orientierungen wirken latent und sind jederzeit als Legitimationshintergrund staatlicher militärischer Gewaltanwendung aktivierbar.

Die dauerhafte politische Orientierung der Funktionseliten im Alltag erfolgt über soziale Primärgruppen sowie durch organisatorische und mediale Netzwerke (Beispiel: Atlantikbrücke, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik etc.). Sie stellen durch eine Vielzahl institutioneller und informeller Beziehungen und die damit gegebenen stabilen Kommunikationskontakte sicher, dass die verinnerlichten politi-schen Erklärungs- und Deutungsmuster immer wieder bestätigt werden. Durch die statussichernde Einbindung in verschiedene gesellschaftliche und berufliche Hierarchien erfolgt eine selbstreferenzielle Verfestigung vorgeprägter politischer Paradigmen. Abweichende Meinungen und Darstellungen werden a priori als gegnerische Propaganda oder sogenannte Verschwörungstheorien angesehen. Sie werden als Versuche des potentiellen Kriegsgegners bewertet, die eigene Wehr-haftigkeit zu schwächen.

Andersdenkende Mitglieder der Funktionseliten, innenpolitische Gegner und soziale Gruppen mit abweichenden politischen Vorstellungen werden verächtlich gemacht, sozial ausgegrenzt und nach Möglichkeit von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Sie gelten Politikern und Mainstreammedien als „nützliche Idioten“ des potentiellen Kriegsgegners, als Verräter, gegen die die Anwendung medialer, politischer und strafrechtlicher Gewalt legitim ist (Beispiel: „Russlandversteher“ Krone-Schmalz, Platzek, Kujat). Mit diesen negativen Sanktionen sind zugleich materielle und soziale Korrumpierungsversuche verbunden, die sicherstellen sollen, dass die systeminterne politische Opposition als mehrheitsfähiger Störfaktor neutrali-siert und in den Prozess der Kriegsvorbereitung – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – integriert werden kann (Beispiel: B90/Grüne, Teile der Linken).

  1. Handlungsfeld: Außenpolitische Konfrontation

Der potentieller Kriegsgegner wird systematisch mit Forderungen konfrontiert, deren Erfüllung dessen staatliche Interessen und seine nationale Identität infrage stellen würde (Beispiel: Forderung an Russland, die Krim aufzugeben). Die Ablehnung dieser Forderungen wird als konfrontatives Verhalten interpretiert und zieht gegebenenfalls „Bestrafungen“ in Form von Sanktionen, Embargos und Blockaden nach sich. So wird für die eigene Öffentlichkeit ein Feindbild generiert und der Versuch unternommen, den potentiellen Gegner innenpolitisch zu destabilisieren.

Politische Gesprächskontakte zum potentiellen Gegner werden reduziert und von dessen Wohlverhalten abhängig gemacht. Damit verbunden ist der Ausschluss aus internationalen Gremien und Gesprächsformaten (Beispiel: Ausschluss Russlands aus dem G-8-Format). Es soll der Eindruck vermittelt werden, „die Weltgemeinschaft“ würde den potentiellen Gegner ächten. Ziel ist vor allem die außenpolitische Isolation und Stigmatisierung des Gegners sowie die Schwächung seiner Beziehungen zu strategischen Partnern.

Wirtschaftsbeziehungen werden erschwert, Investitionsmöglichkeiten und Finanz-transfers blockiert. Das wird verbunden mit einer Ausdünnung kultureller und sonstiger zivilgesellschaftlicher Kontakte (Jugendaustausch, Städtepartnerschaften, Tourismus, Sport). Der potentielle Gegner wird sukzessive als fremd, gesichtslos, bedrohlich wahrgenommen (Beispiele: Krim-Sanktionen im Tourismus-Bereich, Doping-Kampagne).

Kontinuierlich werden außenpolitische Konfliktfelder geschaffen, deren Lösung nur konfrontativ möglich zu sein scheint. Es dominiert in den bilateralen Beziehungen zum Gegner eine „Sieger-Verlierer-Mentalität“, die keinen Raum für Kompromisse zu lassen scheint und zur Bildung gegnerischer Allianzen im Rahmen internationaler Organisationen und Entscheidungsgremien führt (Beispiele: Ostukraine-Konflikt, Venezuela, Kuba, Syrien).

  1. Handlungsfeld: Manipulation der Öffentlichkeit

Die Kultur und Lebensweise des potentiellen Kriegsgegners wird systematisch als fremd und daher inakzeptabel abgewertet. Vorurteile werden reaktiviert und verstärkt Beispiele: „Autokrat Putin“, „Russlands Expansionsstreben“). Zugleich wird der eigenen Bevölkerung das Gefühl der Überlegenheit vermittelt (Beispiel: „Das wirt-schaftlich marode Russland“, „Die Innovationsunfähigkeit der Russen“). Das hat den Nebeneffekt, dass das Hinterfragen des eigenen Gesellschaftsmodells und der außen- und militärpolitischen Prämissen als naiv und unpatriotisch dargestellt werden kann. Kritiker werden so unter Generalverdacht gestellt, die Geschäfte des Gegners zu besorgen.

Der potentielle Gegner wird tendenziell entmenschlicht und ent-individualisiert. Er erscheint in den Medien als amorphe, bedrohliche Masse, der pauschal negative Eigenschaften als quasi ethnische oder rassische Merkmale zugeschrieben werden (Beispiele: „Das Imperium sammelt russische Erde ein“ „Hybrider Krieg gegen das Baltikum“). Analog zu den etablierten Verfahren der Produktwerbung werden immer gleiche Inhalte in verschiedener Form über möglichst viele Kommunikationskanäle gestreut. Die hohe Anzahl der Kommunikationskontakte soll die Wiedererkennbarkeit der eingesetzten Narrative und deren Verinnerlichung ermöglichen. Die negative Darstellung des potentiellen Gegners erfolgt daher nicht eindimensional unter Nutzung politischer Inhalte, sondern bezieht auch Themenfelder wie Kultur, Sport, Wirtschaft, Lebensweise mit ein. Es ist die kommunikationspolitisch betriebene Demontage des Gegners in der Öffentlichkeit.

Damit gelten für die Bewertung und Behandlung des potentiellen Gegners keine zivilisatorischen oder völkerrechtlichen Standards mehr. Politiker, Wirtschaftsführer, Militärs und der einzelne Bürger werden de facto aus dem moralischen Grund-konsens der (westlichen) Zivilisation ausgeschlossen. Ihnen ist alles zuzutrauen und ihnen gegenüber ist alles erlaubt. Jeder Angriff gegen sie ist legitim und straffrei. Das eigene Tun wird mit moralisierender Rhetorik legitimiert. Fakten werden ignoriert oder verfälscht, Kriegsgründe erfunden. Der pseudomoralische Zweck heiligt die Mittel.

Das so generierte monströse Feindbild wird flankiert durch Korpsgeist, Sendungsbe-wusstsein und Überlegenheitsgefühl. Soldaten und Bevölkerung sollen von der Alter-nativlosigkeit des Krieges überzeugt sein und moralische Geschlossenheit als mentale Voraussetzung für die Kriegführungsfähigkeit entwickeln. Nur so sind die erwarteten individuellen Opfer zu rechtfertigen und nur auf dieser Grundlage sind im Kriegsfall Grundfunktionen staatlicher Ordnung aufrecht zu erhalten.

  1. Handlungsfeld: Konditionierung der Soldaten

Neben der politischen Orientierung der Gesellschaft auf einen Krieg kommt vor allem der psychologischen Kriegsvorbereitung der Soldaten Bedeutung zu. Sie müssen nicht nur die politischen Ziele des Staates als Legitimationshintergrund für ihren Einsatz akzeptieren, sondern auch bereit sein, das individuelle Verletzungs- und Todesrisiko einzugehen und sich in Extremsituationen zu behaupten. Der Ge-fechtswert der Truppen ist jedoch nicht nur davon oder von der Qualität der Bewaffnung und Ausrüstung abhängig. Vielmehr geht es um die Stabilität der Einheiten im Einsatz und die Sicherung der Führung. Die Militärsoziologie und die Militärpsychologie befassen sich seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit der Fragestellung, wie in ihrer Zusammensetzung fremdbestimmte formale Gruppen zu erfolgreichem Agieren unter schwersten Bedingungen befähigt werden können. Aus einer Vielzahl empirischer Untersuchungen in Streitkräften politisch ganz unter-schiedlich verfasster Staaten ist bekannt, welch überragende Bedeutung der kleinen, formal strukturierten, aber informell vernetzten (Primär-)Gruppe und der Qualität sozialer Beziehungen in einer hierarchischen Organisation zukommt (Oetting, 1988: 78ff). Weit unterhalb der Ebene politischer Legitimation und der zu diesem Zweck durch die Politik immer wieder gerne beschworenen ideellen Zielsetzungen gewinnt der einzelne Soldat seine Handlungsantriebe primär im unmittelbaren sozialen Umfeld – in der kleinen Gruppe. „Im Schoße der ‚kleinen Gruppe’ baut der Soldat sein affektives Bezugssystem auf. In dieser kleinen Welt, deren Gesetze er selbst geschaffen hat, fühlt er sich geborgen. …Die Loyalität zur ‚kleinen Gruppe’ überragt die Loyalitätsgefühle zur Organisation und zum Land.“ (Bigler, 1963: 51) Die vitalen Interessen jedes Gruppenmitgliedes bestehen unter anderem darin, unter keinen Umständen aus der Gruppe ausgestoßen zu werden und den anderen Gruppen-mitgliedern seine Nützlichkeit zu beweisen. Dinter kommt zu dem Schluss, dass es „…dem gut integrierten Gruppenmitglied viel eher als dem auf sich allein gestellten Individuum gelingt – nicht nur zu kämpfen, sondern sich sogar aufopferungsvoll zu schlagen.“ (Dinter, 1983: 264). Ziel der militärischen Führung bei der Vorbereitung von Soldaten auf einen Krieg ist es, zwischen formalen und informellen Gruppen eine Teilkongruenz zu schaffen, die die Integration des einzelnen in die Gruppe zuverlässig gewährleistet und zu einem stark ausgeprägten Wir-Gefühl der Gruppenmitglieder führt (Oetting, 1988: 81). Voraussetzung für das Wirken der formalen/informellen Gruppe im Sinne der militärischen Struktur ist allerdings die weitgehende Konformität der Gruppenziele mit denen der Organisation. Kann im Führungsprozess die weitgehende Konformität von Gruppen- und Organisations-zielen nicht (mehr) aufrechterhalten werden, verselbständigen sich die Primär-gruppen und werden unführbar (Oetting, 1988: 92). Führung bedeutet in diesem Kontext, gruppendynamische Prozesse mit den Zielen der Organisation in Übereinstimmung zu bringen. (Oetting, 1988: 94).

Literatur:

Altrichter, F.: Das Wesen der soldatischen Erziehung, Oldenburg/Berlin 1933
Belec, T.: Motivation und Gefechtswert, In: Österreichs Bundesheer, Truppendienst 1/2006, www.bmlv.gv.at/truppendienst
Bigler, R. R.: Der einsame Soldat – Eine soziologische Deutung der militärischen Organisation, Frauenfeld 1963
Bürklin, W./Rebenstorf, H.: Eliten in Deutschland, Opladen 1997
Dinter, E.: Die körperlichen und seelischen Belastungen des Soldaten im Kriege
In: Truppenpraxis 4/83, S. 216ff
Dreitzel, H. P.: Elitebegriff und Sozialstruktur, Stuttgart 1962
Herzberg, F.: Work and the Nature of Man, New York 1966
König, R. (Hrsg.): Beiträge zur Militärsoziologie, Köln und Opladen, 1968
Krieger, H. H.: Entwicklung und Ergebnisse der Führungspsychologie
In: Truppenpraxis 4/83, S. 249ff
Leonhard, N./Werkner, I.-J.: Militärsoziologie – Eine Einführung, Wiesbaden 2005
Mackewitsch, R.: Der Vorgesetzte im Einsatz, SOWI-Arbeitspapier Nr. 130,
Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr, Strausberg 2001
Marshall, S. L. A.: Soldaten im Feuer – Gedanken zur Gefechtsführung im nächsten Krieg, Frauenfeld 1951
Maslow, A. H.: Motivation and Personality, New York 1970
Meyer, P.: Kriegs- und Militärsoziologie, München 1977
Mosen, W.: Eine Militärsoziologie –Technische Entwicklung und Autoritätsprobleme in modernen Armeen, Neuwied und Berlin, 1967
Otto, W.: Führungsverständnis im Heer, In: Strategie und Technik, 01/2007, S. 12ff
Oetting, D. W.: Motivation und Gefechtswert, Frankfurt a. M./Bonn, 1988
Schössler, D.: Der organisierte Soldat – Berufsproblematik und Interessenartikulation des Soldaten in der entfalteten Industriegesellschaft, Bonn 1968
Sprenger, R. K.: Aufstand des Individuums. Warum wir Führung komplett neu denken müssen. Frankfurt/New York 2001
Stouffer, S. A.: The american soldier, Princeton 1949
Wullich, P. E.: Kampfmoral und Technik im Falklandkonflikt
In: Soldat und Technik 5/83, S. 262ff

von Redaktion

Geistige und logistische Aufrüstung

Geistige und logistische Aufrüstung

Es gehört mittlerweile zum Ritual westlicher Außen- und Sicherheitspolitiker, die Notwendigkeit des Dialogs mit Russland trotz aller aktuellen Spannungen zu betonen. Nur müsse Russland dafür die Voraussetzungen schaffen, indem es seine „expansive“ Politik beendet. Und in der Regel folgt dann das Sündenregister: Die „Annexion“ der Krim, die Unterstützung für die ostukrainischen Volksrepubliken, die angeblichen Vorbereitungen eines hybriden Krieges gegen die baltischen Staaten und Polen. Und auch das russische militärische Engagement in Syrien sorgt bei westlichen Politikern regelmäßig für demonstrative Empörung. Es ist das gebetsmühlenartig über alle Medien verbreitete Argumentationsmuster: Russland ist aggressiv, Präsident Putin will „den Westen“ destabilisieren, nur die NATO ist in der Lage, durch Abschreckung dem russischen Expansionsdrang Einhalt zu gebieten. Dieser kommunikationspolitische Ansatz erweist sich als durchaus praktikabel, was aber nichts daran ändert, dass er auf dem Verschweigen von Fakten beruht. Dass sich die NATO – entgegen früheren Zusagen – nach Osteuropa bis an Russlands Grenzen ausgedehnt hat, wird ebenso verschwiegen wie die Tatsache, dass vor allem US-Politiker bereits im Jahr 2008 den damaligen georgischen Präsidenten ermunterten, einen Krieg gegen Russland vom Zaun zu brechen. Auch dass der Staatsstreich in der Ukraine mit fünf Milliarden US-Dollar vorbereitet wurde, um das Land zum potentiellen Aufmarschgebiet gegen Russland machen zu können, kommt in der derzeitigen Medienberichterstattung nicht vor. Die historischen Hintergründe für die Sezession der Krim spielen für die Befürworter einer harten politischen Gangart gegen Russland ebenfalls keine Rolle.

Die aufgeregte Rhetorik hat einen guten Grund: Ohne von der Bevölkerung akzeptiertes Feindbild und ohne ein latentes Bedrohungsgefühl ist die Aufrüstung der NATO und insbesondere der Bundeswehr nicht zu begründen. Und so sprechen auch Entscheidungsträger der Bundeswehr mittlerweile ganz offen über einen möglichen Krieg in Osteuropa, auf den sich die Truppe vorbereiten müsse. Generalleutnant Bernd Schütt etwa, Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Bundesministerium der Verteidigung, erklärt: „Landesverteidigung ist unverändert immer im Rahmen des NATO-Bündnisses zu denken. Neu für uns ist, dass wir in einem solchen Fall kein direkter ‚Frontstaat‘ mehr sein werden. Vielmehr wird die Bundesrepublik Deutschland einerseits eigene Truppen zur Verteidigung an die Bündnisgrenzen zu entsenden haben und andererseits im Herzen Europas als logistische Drehscheibe des Bündnisses agieren müssen.“/1/

Und die NATO bereitet sich unter aktiver Beteiligung der Bundeswehr auf den Kriegsfall in Osteuropa vor. Von Februar bis Mai 2020 findet die Truppenübung „Defender Europe 20“ statt. 20.00 US-Soldaten, eine komplette US-Kampfdivision, werden aus den USA nach Europa verlegt. 14 Flughäfen und Seehäfen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland sind für die Entladung von Personal und Material vorgesehen. Von dort geht es dann in langen Konvois Richtung Polen und Baltikum. Insgesamt 37.000 Mann mit Kampftechnik werden unterwegs sein, davon 26.000 US-Soldaten. 4.000 Km Schienen und Straßen in das Aufmarschgebiet werden genutzt. Die Bundeswehr (Streitkräftebasis) übernimmt die logistische Sicherstellung. /2/ Es ist ein Szenario, das an die Zeit des Kalten Krieges erinnert.

Auch hinsichtlich der sonstigen materiellen Kriegsvorbereitung geht es erkennbar voran. Wichtige Weichenstellungen für die Beschaffung von Kampfpanzern, Schützenpanzern und sonstigen Waffensystemen wurden im Jahr 2019 vorgenommen. So will die Bundeswehr in zehn Jahren 328 Kampfpanzer Leopard 2 in einem Krieg einsetzen können. Der Gegner ist Russland. Die Zeitschrift Loyal liefert in ihrer Dezemberausgabe das gängige Rechtfertigungsmuster: „Seit Russlands Präsident Putin im März 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektierte, plant die NATO wieder für den Bündnisfall. Auch Deutschland sieht sich in der Pflicht und will bis 2032 drei voll ausgestattete Heeresdivisionen aufstellen, die den baltischen Bündnispartnern gegen die Russen beistehen könnten. Das wären zehntausende deutsche Soldaten, die einem Gegner gegenüberstünden, der etwa gleich ausgerüstet ist: mit Panzern, Raketen, Artillerie, Minensperren.“ /3/

Und in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums der Verteidigung findet sich die Kernaussage: „Die Bundeswehr wächst weiter“. So werden acht Material- und Munitionslager erhalten, die nach früheren Planungen aufgegeben werden sollten. Zwölf Liegenschaften/Kasernen, von denen sich die Bundeswehr trennen wollte, werden vorerst im Bestand bleiben. Vorgesehen ist außerdem die Aufstellung eines „Kommandos Hubschrauber“ in Bückeburg, die Stationierung von fünf neuen Korvetten in Rostock und des Unterstützungsgeschwaders in Kiel für Einsätze im Operationsraum Ostsee. In Burg wird der Stab des neu aufgestellten Logistikregi-ments 1 seine Arbeit aufnehmen. Zugeordnet werden die Logistikbataillone 161 und 163 (Delmenhorst) sowie die Logistikbataillone 171 (Burg) und 172 (Beelitz). Das Regiment ist für die Absicherung der NATO-Transporte vorgesehen und soll seine volle Einsatzfähigkeit im Jahr 2023 erreichen. In der Strausberger Barnim-Kaserne erfolgt die Aufstellung des teilaktiven ABC-Abwehrregiments 1, das die „Erhöhung der ABC-Abwehrfähigkeit“ in Ostdeutschland gewährleisten soll. Erste Teile des Aufstellungsstabes werden 2020 in Strausberg stationiert, die volle Einsatzfähigkeit ist für 2027 vorgesehen. /4/

Die Luftwaffe hat derweil den Eurofighter als mehrrollenfähiges Waffensystem modifiziert. Die Maschine kann nun sowohl als Abfangjäger als auch als Jagdbomber zum Einsatz kommen. Möglich wurde das durch Integration der gelenkten Abwurf-munition GBU-48 (Guided Bomb Unit 48). Es ist eine Präzisionsbombe für die Bekämpfung von Bodenzielen – und damit auch für die Unterstützung von Bodentruppen. /5/

Wie weit die Überlegungen über einen möglichen Krieg gegen Russland bereits gediehen sind und wie intensiv versucht wird, die Bundeswehrsoldaten mental auf einen solchen Waffengang vorzubereiten, zeigt ein Bericht der Zeitschrift Loyal.

Das Magazin beruft sich auf Generalarzt Dr. Bruno Most, Stellvertretender Kommandeur im Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels. Dieser rechnet in einem zukünftigen Krieg gegen russische Streitkräfte mit einer Ausfallquote von vier Prozent Toten und Verwundeten pro Brigade und Tag. Das sind keine unverbindlichen Gedankenspiele, sondern Teil einer möglichen Einsatz-planung. „Die drei Divisionen des Heeres sollen in zwölf Jahren aus acht bis neun Kampfbrigaden bestehen. Einer Brigade wiederum gehören im Schnitt 5.000 Soldaten an. Wenn nur die Hälfte der Brigaden an der Front im Osten eingesetzt würde, wären das 22.500 Soldaten: Panzertruppen, Grenadiere, Fallschirmjäger, Aufklärer, Pioniere, Artilleristen. Vier Prozent von 22.500 Soldaten ergibt 900. ...In einem Krieg wäre mit 900 gefallenen und verwundeten Soldaten zu rechnen. An einem Tag.“ /6/

Die Rechnung hat nur einen entscheidenden Denkfehler: Sie unterstellt, dass ein solcher Krieg hinsichtlich des eingesetzten Waffenspektrums und seiner territorialen Ausdehnung begrenzbar wäre, dass also die russischen Streitkräfte in einem solchen Konflikt der Regie der NATO folgen würden. Für diese Annahme gibt es allerdings keinen belastbaren Beleg. Diese Vorstellung von NATO-Strategen war übrigens bereits in den 80er Jahren völlig realitätsfern (Strategie der flexiblen Reaktion). Dass man sich nun in NATO-Stäben wieder auf die damaligen strategischen und operativ-taktischen Konzepte besinnt, macht sie nicht realitätsbezogener. Ein Krieg an Russlands Grenzen würde sich kaum auf konventionelle Waffen beschränken lassen und wenn er ausgebrochen wäre, würde auch das Territorium der Bundesrepublik zum Zielgebiet gegnerischer Raketenschläge und zum Schlachtfeld werden – allein wegen dessen Bedeutung für die NATO-Logistik. Zu empfehlen ist ein Blick in die aktuell gültige russische Militärdoktrin. Diese Lektüre wäre sicher auch für manchen Journalisten hilfreich, der mit leichter Feder über einen neuen Krieg im Osten fabuliert. Die Unterschätzung des potentiellen Gegners ist genauso gefährlich wie Wunschdenken hinsichtlich der eigenen militärischen Fähigkeiten. Und es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass NVA-Planer in der Zeit des Kalten Krieges für die ersten zwei bis drei Kriegstage mit Ausfallquoten von etwa 30 Prozent bei den Kampfdivisionen der ersten strategischen Staffel rechneten. Diese Annahmen dürften auch für einen Krieg der NATO gegen Russland gelten, denn es wäre von russischer Seite ein Krieg, der existenzgefährdend für den russischen Staat ist. Daran würden sich die Intensität der Kampfhandlungen und das zum Einsatz kommende Waffen-spektrum orientieren. Wer also glaubt, dass die Bundesrepublik Deutschland im Kriegsfall „kein Frontstaat“ wäre und sich der Krieg mit allen seinen Folgen weit im Osten abspielen würde, unterliegt entweder einem großen strategischen Irrtum oder redet sich und anderen bewusst die damit verbundenen Gefahren klein. Schon der chinesische Stratege und Militärtheoretiker Ssund-ds’ mahnte: „...kennst du den Gegner und kennst du dich, so magst du hundert Schlachten schlagen, ohne eine Gefahr zu fürchten; kennst du ihn, aber nicht dich selbst, so wirst du einmal siegen und ein anderes Mal eine Niederlage erleiden; kennst du weder dich noch ihn, so wirst du in jeder Schlacht geschlagen werden.“ /7/

 

Redaktion

 

Literatur

/1/ Die Bundeswehr 12/19, S. 8

/2/ Die Bundeswehr 12/19, S. 61

/3/ Loyal 12/19, S. 12

/4/ Pressemitteilung des BMVg, Dezember 2019

/5/ Schnell, G.: Die Luft/Boden-Bewaffnung des Eurofighter. In: CPM Forum für Rüstung, Streitkräfte und Sicherheit 3/2018, S. 22ff

/6/ Loyal 12/19, S. 12

/7/ Ssund-ds´: Traktat über die Kriegskunst. Berlin 1957, S. 64

von Redaktion

NATO-Truppenpräsenz an Russlands Grenzen

Nationale Streitkräfte

                                    aktive Einheiten      paramilitärische Einheiten/

                                                                       Nationalgarde/Reserve

                                               (Mannschaftsstärken)

___________________________________________________________________

Norwegen                 20.000                       140.000 Reserve, 50.000 Heimwehr

 

Estland                      5.700                         26.000 (Reservisten und Hilfskräfte)

 

Lettland                     5.500                         18.000 (Nationalgarde)

 

Litauen                      20.000                       17.000 (Reservisten u. Paramilitärs)

 

Polen                         100.000                     53.000 (geplant für 2019)

 

Rumänien                 70.000

 

Ukraine                      250.000                     85.000 Reserve, 60.000 Nationalgarde

NATO-assoziiert seit 1997/NATO-Ukraine-Charta, Einbindung in begrenzte Militäroperationen (Combined Joint Task Force) auf Beschluss des Nordatlantikrates

 

Friedensstärke:                                471.200 (nur aktive Truppen)

Kriegsstärke:                                  920.200 (alle bewaffneten Kräfte)
 

Multinationale Verbände (ständig präsent)

Enhanced Forward Presence (EFP): 4 Battle-Groups,

Multinational Division North-East-Hauptquartier in Elblag (Polen)

Stab                                                   300

Estland                                              1.200 (Führung: Großbritannien)

Lettland                                             1.200 (Führung: Kanada)

Litauen                                              1.200 (Führung: Deutschland)

Polen                                                 1.200 (Führung: USA)

_______________________________________________________

Gesamt                                             5.100

 

Ukraine/Polen/Litauen:                  ca. 4.500 (LITPOLUKRBRIG, Stab in Lublin, Einheiten bleiben im Bestand der nationalen Streitkräfte)

 

NATO-Mission Baltic Air Policing: 16 Maschinen/160 Mann rotierend, Fliegerhorste Siauliai (Litauen), Ämari (Estland), Malbork (Polen)

 

US-Einheiten (ständig präsent)

Eine Mechanisierte Brigade          3.500 (Operation Altlantik Resolve, ständige Präsenz in verschiedenen osteuropäischen Ländern)

Personal für Einsatz von 60 Transport- und Kampfhubschraubern, stationiert in baltischen Staaten und Polen:    1.800

___________________________________________________________________

präsente NATO-Truppen:                       10.560 (ohne LITPOLUKRBRIG)

 

Damit stehen derzeit an Russlands Grenzen im Norden, Westen und Südwesten insgesamt ca. 480.000 Mann starke aktive Truppen.

 

NATO-Eingreiftruppen (Verlegung im Konfliktfall)

NATO-Response Force (NRF):    40.000 (Land-, Luft-, Seestreitkräfte)

  • Sechs NRF-Logistikstützpunkte in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien (einsatzbereit)
  • Führung durch acht NATO Force Integration Units in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien

 

Im Krisenfall: Ausgliederung der

Very High Readiness Joint Task Force (VJTF): über 10.000 Mann (darunter 5.000 Mann Bodentruppen) innerhalb von 48-72 Stunden laut NATO Readiness Action Plan (RAP) von 2014

 

Geplant: Verlegung einer US-Panzerdivision nach Polen (ca. 17.000 Mann)

 

  • Zusätzlich: Depots für die Ausrüstung von 5.000 US-Soldaten in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn (einsatzbereit)
  • Ziel der NATO: ab 2020 innerhalb von 30 Tagen 30 Bataillone (ca. 30.000 Mann), 30 Staffeln Kampfflugzeuge und 30 Schiffe nach Osten verlegen zu können)

___________________________________________________________________

Schnell verlegbar wären damit                 ca. 57.000 Mann zusätzliche NATO-Kräfte

 

Im Kriegsfall könnte die NATO kurzfristig knapp eine Million Mann aktivieren (987.760).

 

 

  1. Staffel/Sicherstellung Logistik

Bundeswehr:                        ca. 184.000 aktive Soldaten (Ziel bis 2025: 203.000)

Reservisten:                         ca. 60.000 (Ziel bis 2031)

Ziel bis 2032:                        Drei Heeres-Divisionen mit acht, später zehn Brigaden

                                               143 Kampfjets Eurofighter

                                               15 einsatzbereite Kriegsschiffe

US-Streitkräfte:                    ca. 35.000 (präsent), einzufliegen: ca. 20.000

                                               nach Osten zu verlegen: ca. 37.000

Material:

  • Depot für die Ausrüstung einer US-Panzerbrigade (Podwidz, 80 Km östlich Poznan)
  • Vier weitere Depots in Deutschland (2), Belgien (1) und Niederlanden (1) für Ausrüstung einer US-Panzerdivision (geplant)
  • Vier bereits existierende US-Depots in Deutschland (Niedersachsen, Bayern, Thüringen, Sachsen)
  • 18 Munitionsdepots
  • 17 Materiallager der Bundeswehr

Transportwege:

  • Fünf Rasträume für (alliierte) Militärkonvois (Niedersachsen, Bayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg)
  • Modernisierung von 250 Häfen, Bahnstrecken, Straßen und Brücken bis 2021 für Militärtransporte Richtung Osten geplant
  • „NATO-Schengen“-Vereinbarung für Sicherstellung zügiger grenzüberschreitender Militärtransporte
  • Sicherung der Priorität von Militärtransporten bei der Bahn

 

von Redaktion

Streitkräfteplanungen

Schon auf ihrem Gipfel in Wales im Jahr 2014 hatte die NATO den Nato Readiness Action Plan (RAP) verabschiedet – angeblich zum Schutz der osteuropäischen und baltischen Länder vor Russland. Kernelement des RAP-Planes ist die Einrichtung der sogenannte Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), auch Speerspitze genannt. Mit dieser Speerspitze können nach Anforderung 20.000 Soldaten, darunter 5.000 Mann Bodentruppen, innerhalb von 48 bis 72 Stunden, aus der NATO Response Force (NRF), der sogenannten NATO-Reaktionsstreitmacht, in die baltischen und osteuropäischen Länder verlegt werden.

Die schon 2002 beschlossene und aufgebaute NATO Response Force (NRF), ist eine Eingreiftruppe der NATO, bestehend aus Land-, Luft-, See- und Spezialkräften, die mit hoher Verfügbarkeit in einem breiten Spektrum möglicher Operationen weltweit eingesetzt werden kann. Im Rahmen der von der NATO in Wales beschlossenen Maßnahmen wurde auch die NRF verstärkt. Bis zu 40.000 Soldaten soll die NRF-Streitmacht umfassen. Zu der Eingreiftruppe gehören auch sechs Logistikstützpunkte, die von der NATO in den drei baltischen Staaten sowie in Polen, Rumänien und Bulgarien einrichtet wurden. Dort werden NATO-Ausrüstung und Munition für im Kriegsfall schnell heranzuführende Verstärkungseinheiten eingelagert. Die Speerspitze VJTF, die aus der NRF gebildet wird, besteht aus einem Landstreitkräftekontingent mit bis zu fünf Bataillonen und zusätzlich aus Einheiten der Luftstreitkräfte, Seestreitkräfte, Spezial- und Unterstützungskräfte. Deutschland stellt bis zu 2.700 Soldaten für die VJTF. Für die Organisation der schnellen Handlungsfähigkeit wurden in Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien Führungs- und Kontrolleinrichtungen, sogenannte NATO Force Integration Units (NFIU), kleine Kommandopunkte, eingerichtet, die nach dem Rotationsprinzip personell besetzt sind.

Auf der NATO-Tagung am 8. und 9. Juli 2016 in Warschau verständigten sich 28 Staats- und Regierungschefs zudem auf die Nato Enhanced Forward Pressence (EFP). Diese Verstärkte Vorwärtspräsenz legt fest, dass jeweils ein multinationales Bataillon (Battle Group) der NATO mit etwa 1.000 Soldaten in Polen, Lettland, Litauen und Estland rotierend stationiert wird. In einem sechsmonatigen Rhythmus werden die durch vier Leitnationen gestellten Kampfverbände abgelöst. Das Rotationsprinzip wurde gewählt, um die Festlegungen in der NATO-Russland-Grundakte zu umgehen. Die Bildung und Verlegung der Bataillone in die vier Länder begann im Februar 2017 und war im August 2017 abgeschlossen. Der NATO-Kampfverband in Polen steht unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika mit Hauptquartier im polnischen Orzysz (ehemals Arys), ca. 60 km von der Grenze zum russischen Kaliningrader Gebiet entfernt. Truppenteile, rotierend aus Polen, Großbritannien und Rumänien, ergänzen den Kampfverband. Das NATO-Bataillon in Estland steht unter Führung Großbritanniens mit dem Hauptquartier in Tapa. Hinzu kommen Truppenteile aus Frankreich und seit 2018 aus Dänemark. Die in Lettland stationierte Battle Group wird durch die kanadischen Streitkräfte geführt. Das Hauptquartier befindet sich in Ädazi. Zu diesem Bataillon gehören auch rotierende Truppenteile aus Albanien, Italien, Polen, Slowenien und Spanien. Der rotierende NATO-Kampfverband in Litauen steht unter Führung der deutschen Bundeswehr mit Hauptquartier in Rukla, nahe der Stadt Kaunas, etwa 150 km vor Kaliningrad. Er wird mit Einheiten aus Belgien, Frankreich, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen ergänzt. Ergänzend zu den vier Bataillonen in den baltischen Staaten wurde das Multinational Division North-East (MNDNE)-Hauptquartier im polnischen Szczecin eingerichtet. Es fungiert operativer Kommandopunkt für die vier Bataillone. Außerdem laufen in Polen die logistischen Vorbereitungen für die Stationierung einer kompletten US-Kampfdivision.

Zusätzlich zum militärischen Maßnahmepaket der NATO startete der frühere US-Präsident Barack Obama eine bilaterale Initiative, die er am 3. Juni 2014 in Warschau als European Reassurance Initiative (ERI) vorstellte. Mit dieser Initiative wurden eine separate Ausweitung bi- und multinationaler Übungen sowie eine starke militärische Präsenz der US-Armee auf Rotationsbasis in den östlichen NATO-Mitgliedstaaten in Angriff genommen. Hinzu kommen die sogenannte Vorwärtsstationierung von Kampfpanzern und die Einlagerung von Kriegsgerät in US-Depots auf dem Territorium osteuropäischer Länder. Zudem wurden Flugplätze oder Übungsplätze ausgebaut. Und eine größere Zahl von Soldaten der östlichen NATO-Länder soll besser ausgebildet und mittels Übungen durch die US-Armee geschult werden. Diese Operation Atlantic Resolve (OAR) (Atlantische Entschlossenheit) zur Unterstützung und Stärkung der NATO-Alliierten in Europa wird von den USA bilateral vereinbart und realisiert. Im Rahmen der Operation Atlantic Resolve wurde eine komplette US-Kampfbrigade über Bremerhaven, durch Deutschland und Polen an den nördlichen Teil der NATO-Ostgrenze verlegt. Insgesamt handelt es sich dabei um 3.500 Soldaten. Die Einheiten bleiben dauerhaft in Osteuropa, lediglich alle neun Monate findet ein Wechsel der Soldaten statt. Die Truppenrotation startete im Februar 2017 in Polen und im Baltikum, danach erfolgte die Verlegung nach Bulgarien und Rumänien.

Ab Februar 2017 wurden außerdem 60 US-Transport- und Kampfhubschrauber zusammen mit 1.800 Soldaten im Baltikum und Polen stationiert. In den drei baltischen Staaten wurde zusätzlich Logistik für je eine US-Kompanie (etwa jeweils 150 Soldaten) eingelagert. In Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn wird Militärgerät für jeweils ein US-Bataillon (mit je etwa 750 Soldaten) zusätzlich untergebracht. Insgesamt wird damit Logistik für den Einsatz von weiteren 5.000 US-Soldaten bereitgestellt. Amerikanische Militärspezialisten hatten zuvor in den Stationierungsländern alte Militäranlagen aus der Sowjetzeit begutachtet oder Festlegungen über den Neubau von Lagerhäusern für schweres amerikanisches Kriegsgerät getroffen. Die Kosten sollen die entsprechenden Länder tragen, das trifft auch für die lokale Bewachung zu.

Und die US-Armee zieht Ausrüstung und Nachschub für zusätzliche schwere Kampfverbände auch im Westen Europas zusammen, die in drei zentralen Depots in Deutschland, den Niederlanden und Belgien (Army Prepositioned Stocks - APS) ständig einsatzfähig bereitstehen. Im Kriegsfall muss die US-Armee nur noch die Soldaten einfliegen und könnte somit schnell weitere Einheiten ins Gefecht einführen. Das erinnert an die Praxis aus der Zeit des Kalten Krieges. Es sind zudem wieder Panzer und Artillerie in norwegische Höhlen eingelagert worden, die seit dem Ende des Kalten Kriegs leer standen. Derzeit sind rund 8.000 NATO-Soldaten ständig in den baltischen Staaten und Polen stationiert. Hinzu kommen die sogenannte NATO-Speerspitze mit rund 5.000 Soldaten sowie eine US-Division, die binnen kürzester Zeit eingeflogen werden kann. Dass sind über 33.000 verfügbare NATO-Kräfte, die kurzfristig gegen Russland eingesetzt werden könnten. Nicht mitgerechnet sind dabei die Streitkräfte der ost- und südosteuropäischen NATO-Staaten, die ebenfalls massiv gegen Russland aufrüsten. Außerdem ist die NATO bestrebt, die Streitkräfte Schwedens und Finnlands durch militärische Kooperationsvereinbarungen, Rüstungsprogramme und gemeinsame Manöver de facto in die Strukturen des westlichen Bündnisses einzubinden. Diese Entwicklung erhöht nicht nur die militärische Konfrontation in der Region, sondern auch die Gefahr, dass es aus einem nichtigen Anlass oder Missverständnis zu einer Eskalation kommt, die in einen Krieg münden könnte.

von Redaktion